Karikatur trifft Kalligrafie – oder: Die Erkenntnis steckt im Detail

03.04.2019, 00:00 - 30.06.2019, Ende offen

Ottweiler. Auf den ersten Blick haben sie nur eines gemeinsam - beide arbeiten sie mit Zeichenfeder und Farbe. Die Ergebnisse ihres künstlerischen Schaffens könnten jedoch nicht gegensätzlicher sein: Eckart Polzin, der mit wenigen gekonnten Strichen und punktgenau gesetzten Farbakzenten seine menschlichen und tierischen Figuren per Federstrich zum Leben erweckt und Roman Hollinger, dessen kalligrafischen Arbeiten durch ihre Formen- und Farbensprache bestechen. Gleichwohl geht von den Werken beider Künstler eine jeweils besondere „Sogwirkung“ aus. Und das ist auch der Grund, weshalb Ulf Sauerbaum, der schon seit vielen Jahren die Ausstellungen in der Marienhausklinik in Ottweiler konzipiert und managt, diese beiden Künstler zusammengeführt hat. „Die Erkenntnis dessen, was hinter den Werken steht, findet man im Detail, sozusagen erst auf den zweiten Blick,“ bringt er die Vielschichtigkeit der Arbeiten auf den Punkt. Sind es bei Polzin die Überzeichnungen seiner Figuren, die dem Betrachter die kleinen, meist humorvollen oder hintergründigen Geschichten offenbaren – so verbirgt Hollinger Zitate, Gedichte und Weisheiten in einem kalligrafischen Netz (mit der Feder) kunstvoll geschriebener Strukturen, die durch Schriftzeichen geformt und mit Farben hervorgehoben oder verfremdet werden. Es entstehen Werke, mit einer neuen, eigenen Ausdruckkraft.

Eckart Polzin ist schon seit seiner Kindheit künstlerisch tätig. Was einst vielleicht einmal mit „Punkt-Punkt-Komma-Strich“ als Malaufforderung seitens der Eltern initiiert wurde, hat sich als großes Talent erwiesen. Während der Schulzeit und in seinem weiteren Leben zeichnete und malte er in seiner Freizeit und perfektionierte die Techniken. Waren es anfangs Komikfiguren, die er kopierte, so lernte er dank der glücklichen Verbindung zur Malgruppe des saarländischen Künstlers Klaus Krämer das Aquarellieren von der Pieke auf, übte sich in Acryl, Öl und Holzkohle und pflegt heute seinen ihm eigenen Mal- bzw. Zeichenstil. Auch in seinem beruflichen Umfeld ist sein Talent gefragt: Im Redaktionsteam der Mitarbeiterzeitung „Hausblick“ des Marienkrankenhauses St. Wendel ist er für die Illustrationen zuständig; ein Kochbuch der Mitarbeiter hat er illustriert.

Kalligrafie oder die Kunst des Schönschreibens ist seit mehr als 20 Jahren das Hobby von Roman Hollinger. Im Laufe der Jahre hat er seine Schrifttechniken immer mehr verfeinert, so dass aus den „Schrift-Bildern“ kleine Kunstwerke geworden sind. Seine Schreib- und Malwerkzeuge stellt er meist selbst her – aus Bambus und Balsa-Holz die Federn. Auch die Tinte zum Schreiben und die Malfarben fertigt er häufig aus verdünnter Holzbeize bzw. Farbpigmenten selbst. Er malt seine Schrift-Bilder bevorzugt auf die Rückseite von Tapeten, Strukturpapier oder Leinwand und greift zum Aus- oder Übermalen der Buchstaben auf Pinsel und Spachtel zurück.

Was in dieser Ausstellung zunächst gegensätzlich wirkt, erhält beim genaueren Betrachten eine gemeinsame Bedeutung, nämlich, dass sich oft erst die ganze Wahrheit im Detail versteckt.

Die Arbeiten der Künstler sind noch bis Ende Juni in der Galerie der Klinik zu sehen.

 

 

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