Christian Petry, MdB zum Gespräch in der Marienhausklinik Ottweiler

Im Rahmen seiner Sommertour informierte sich der SPD-Politiker über die Situation der Klinik

Beim Klinikrundgang (v. l.): Fabian Scheidhauer, Wahlkreismitarbeiter, Christian Petry, MdB, Dr. Martin Bier, Ärztl. Direktor, Chefarzt Anästhesie, Uwe Meiser, stv. Kaufm. Direktor und Lothar Schramm, Pflegedirektor

22.08.2017

Ottweiler. Er komme immer wieder gerne nach Ottweiler, betonte Christian Petry, der die politische Sommerpause in Berlin nutzte, um sich im persönlichen Gespräch mit den Mitgliedern des Direktoriums der Marienhausklinik ein Bild über die aktuelle Situation der Einrichtung zu machen. An Themen mangelte es nicht, denn gerade kleinere Standorte sehen den Herausforderungen der nächsten Jahre mit großer Besorgnis entgegen. „Es freut mich daher sehr, dass unsere Anliegen bei den politisch Verantwortlichen ernst genommen werden“, meinte der kaufmännische Direktor Thomas Gärtner bei seiner Begrüßung.
Gesprochen wurde u. a. über den Fachkräftemangel, der sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen und fachpflegerischen Bereich längst auch in Ottweiler angekommen ist und der laut Dr. Martin Bier, Ärztlicher Direktor, auch nicht durch eine verordnete Pflege-Mindestquote, wie sie im nächsten Krankenhaus-Struktur-Plan vorgesehen ist, zu lösen sei. Vielmehr müsse man den Pflegeberuf für junge Menschen attraktiver machen, meinte Pflegedirektor Lothar Schramm und wies darauf hin, dass u. a. eine adäquate Bezahlung und neue Arbeitszeitmodelle dazu beitragen, dass sich wieder mehr Schulabgänger für einen Pflegeberuf entscheiden. „Der Pflegeberuf muss besser in die Lebensplanung junger Menschen passen“, betonte er. Und daher gelte es, die Refinanzierung der dabei entstehenden Kosten schnell zu klären. 
Welche Krankenhäuser zukünftig welche Leistungen zu erbringen haben und wie diese zu dokumentieren und zu vergüten sind, war ebenfalls Thema. Dass auch hier umgedacht und bessere Voraussetzungen zur Zusammenarbeit zwischen Krankenhäuser und Kostenträger geschaffen werden müssen, betonte Thomas Gärtner. Denn die hohen Außenstände an erbrachten, aber nicht bezahlten Krankenhausleistungen, dürften sich nicht noch weiter anhäufen, da den Einrichtungen sonst jedweder Investitionsspielraum verloren gehe. Mit großem Erstaunen hörte Christian Petry, dass allein der Klinik in Ottweiler zwischen 50.000 und 80.000 € pro Jahr fehlen, die somit weder in zusätzliches Personal noch in die Ausstattung investiert werden können.
Trotz schlechter finanzieller Rahmenbedingungen steigen die rechtlichen Anforderungen an Qualitäts- und Leistungsstandards, sei es im Bereich der Hygiene oder in der ärztlichen und pflegerischen Tätigkeit; hinzu kommt eine umfangreiche Dokumentationspflicht, die schulungs- und zeitintensiv ist. Hier hatte der stv. Kaufm. Direktor Uwe Meiser die passenden Zahlen bereit: Schon heute nimmt die Dokumentation etwa 30 % der Arbeitszeit eines Pflegenden in Anspruch – Zeit, die für die Patienten verloren geht. Oder im Bereich Hygiene: Allein um die Qualifizierung ihrer Fachkräfte zu finanzieren, geben die Marienhauskliniken im Verbund Saar-Ost jährlich etwa 300.000 € aus – Geld das von den Kostenträgern nicht refinanziert wird.
Obwohl die Rahmenbedingungen ein auskömmliches Wirtschaften der Krankenhäuser kaum mehr möglich machen, ist es in der Marienhausklinik Ottweiler dennoch gelungen, in den vergangenen Jahren einen sogenannten Hybrid-OP zu bauen und ein Linksherzkatheterlabor mit DAS-Anlage sowie ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum zu etablieren. Daher wünsche man sich, so Thomas Gärtner abschließend, dass diese starken Säulen des traditionsreichen Krankenhauses auch im kommenden Krankenhaus-Struktur-Plan berücksichtigt werden.
Im Anschluss an das Gespräch besichtigte man gemeinsam mit Christian Petry diese Vorzeigeberreiche der Einrichtung. (aoe)